Erklärungen Hausnamen

Hausnamen - Hausnummern      1830

  Versuch einer Erklärung

Ein Wohnhaus ist nicht nur ein Gebilde aus Stein, Beton, Holz und Glas. Das Wohnhaus ist auch die Heimstatt für Menschen mit all ihren Gefühlen, Wollen, arbeiten. Da es schlecht möglich ist, dies alles unter einer Hausnummer zum Ausdruck zu bringen erfanden die Bewohner den Hausnamen. Hiermit wird das Haus nicht nur registriert, sondern es wird zur Wohnstätte von bestimmten Menschen. Im Hausnamen wird die Stätte mit den unterschiedlichsten Attributen bezeichnet. Er kann den Namen, den Vornamen, den Beruf, die Eigenart, den Wohnplatz (Ortsmitte, Waldrand usw) enthalten. Allgemein wurde der Hausnamen beibehalten, auch wenn die Bedingungen nicht mehr vorhanden waren. Es kam auch mehrmals vor, dass der Hausname bei Hoftausch oder Verkauf gewollt oder ungewollt mit der Familie auf ein anderes Anwesen mitging, so beim Heisamicheler, Zwick.

In Bayern wurde um 1810 angeordnet alle Grundstücke zu vermessen und zuzuordnen. Beim Landgericht wurde für jeden Besitzer ein "Kataster" angelegt. Alle Hausbesitzer wurden vorgeladen und in Verhandlungen festgelegt, welche Grundstücke zu welchem Haus und welchem Besitzer zustehen. Auch die Abgaben und Pflichten wie Zehent wurden hier festgehalten. Es ging darum eine Steuererfassung festzulegen. Zur leichteren Registrierung wurden Hausnummern eingeführt. Den Anfang mit Nr. 1 machte man in Mattsies am nördlichen Ortsende mit der unteren Mühle. Diese ersten Hausnummern haben keinen Aussagewert über das Alter dieser Höfe und Sölden. Die späteren Hausnummern wurden dann in zeitlicher Reihenfolge vergeben, wie die Häuser erbaut wurden.
Jeder Grundbesitzer hatte nur einige Grundstücke den sogenannten "Alten Gemeindetheil" Alle anderen Grundstücke gehörten der Herrschaft oder der Allgemeinheit "Allmende" die Nutzung wurde für alle Gemeindemitglieder in Versammlungen festgelegt.
 Später wurden in verschiedenen "Vertheilungsjahren" diese Grundstücke auch an die Gemeindemitglieder verteilt. In Mattsies in den Jahren 1799; 1802; 1804.

 

Örtlichkeiten für Gemeinde Mattsies

Für die Gemeinde Mattsies war das Landgericht Türkheim zuständig. So wurde in den Jahren um 1830 jeder Hausbesitzer einzeln zu Verhandlungen vorgeladen. Jedes Haus hatte auch einen "Hausnamen", der im Urkataster mit angegeben ist. Diese Hausnamen habe ich als alte Hausnamen so übernommen. In vielen Fällen ist nicht mehr nachvollziehbar, woher dieser Name stammt und was er ursprünglich bedeutete. Der Hausbesitzer konnte mit Urkunden und Kaufunterlagen beweisen, welche Grundstücke sein eigen waren. Auch der Pfarrer (Mathias Wiedemann) wurde zu jedem Grundstücksbesitzer befragt, da die Kirche viele Grundstücke besaß und viele Rechte auf Pacht- oder Zehent hatte.
Die Protokolle wurden später die wichtigsten Unterlagen zum Grundbuch und wurden dem später gegründeten Vermessungsamt überstellt.

===Allgemeine Vormerkung für die Gemeinde Mathßies===
 Die Steuergemeinde Mathsies besteht
a.) aus dem Dorfe Mathßies, welches 87 Wohnhäuser, eine Pfarrkirche und Schulhaus in sich hält.
b.) aus dem Schlosse Mathßies und
c.) der Einöde beim Gingele
   A. Gerichtsbarkeit
Mathsies liegt in der Gerichtsbarkeit des kl. Landgerichts Türkheim.
  B. Grundbarkeits-Verhältnisse
 Die frühere Herrschaft war die Churfürstliche Herrschaft zu Mathßies.
 Einige Güter sind zum kl. Rentamt Türkheim noch 10% grundbestandbar; die meisten Güter aber, grundbestandbar mit Eigen Handlohn laut L....urbar vom Jahr 1784.
 Für ???? ist zur Pfarrkirche Unterrammingen mit 10% des Werthes grundbestandbar.
Das unbef... vorgenannte Fünf...gütl, welches bei HsNr 25 vorkommt ist mit fixem Handlohn zur Pfarrei Unterrammingen grundbestandbar.
 .
.
 D. Zehent-Verhältisse
Die Pfarrei Mathßies bezieht Obst-Blut- Groß- und Kleinzehent, den Krautzehnt aber beziehen die Besitzer selbst gegen ein  ...usw.

Die um 1830 im Urkataster eingetragenen 92 Häuser waren eingeteilt in:

12 Höfe oder Anwesen (Höfe: Bäuerlehof (HsNr.8), Maier (HsNr.19), Schmiedbauer (HsNr.21), Kasper (HsNr.43), Birkenmaier (HsNr.65), Schmiedenbauer (HsNr.69), Lindenbauer (HsNr.70), Unterbauer (HsNr.77))

Anwesen: (Wirt (HsNr.25), Platz (HsNr.45), Bartl (HsNr.84), Schafheutel (HsNr.72), Uhl (HsNr. 91 1/2)
62 Sölden  (kleiner Hof, meist zwischen 5 und 12 Tagwerk, Nebenerwerbslandwirt)
5 halbe Sölden (siehe Sölden, nur eben kleiner)
5 Leerhäuser (ist kleines Haus meist ohne Grundstücke)
1 Pfarrkirche
1 Pfarrhaus
1 Mesnerhaus
1 Schulhaus
1 Schloss mit Oekomonie
1 Mühle
2 Häuser ohne Angaben?
 

Der Grundsteuerkataster enthält siedlungs- und ortsgeschichtlich aufschlussreiche Angaben :
- über den Eigentümer der Anwesen (Name, Beruf),
- über die Herkunft des Besitzes (Vorbesitzer bzw. Abspaltungen von "zertrümmerten" Besitzungen werden genannt),
- über die Besitzgröße jedes Anwesens in Tagwerk und die Besitzart
          (in einer sozial aufsteigenden Reihenfolge vom Leerhaus über die halbe Sölde, Sölde und das Gut bis zum Hof),
- zur wirtschaftlichen Funktion der Anwesen (Wirtschaft mit Brau- oder Taferngerechtigkeit, Mühle mit Anzahl der Mahlgänge, Schmiede, Armenhaus, Brechhaus= Krankenhaus-in Mattsies nicht vorhanden) etc.).